Ein Offizier

In Munster / Örtze lernte ich von 1984 bis 1986 das Handwerk des Panzersoldaten. Als Reserveoffizieranwärter konnte ich auch bald die entsprechenden Führungslehrgänge besuchen, und so wurde ich sehr schnell als Gruppenführer, Ausbilder und Panzerkommandant eingesetzt. In dieser Zeit erhielt ich die Ehrenmedaille der Bundeswehr.

Nach Ende meiner aktiven Zeit leistete ich regelmäßige Wehrübungen ab, im stetigen Wechsel zwischen Einsätzen als Führer und Ausbilder in der Truppe und Führungslehrgängen an den Schulen des Heeres und der Führungsakademie. In dieser Zeit hat sich mir der Grundsatz “Panzertruppen schiebt man nicht von hinten, man zieht sie von vorne” eingeprägt, eine Geisteshaltung, die ich mir auch im Zivilleben zu eigen gemacht habe.otl1

Die Lehrgänge gehörten insgesamt zu den Höhepunkten meiner Wehrübungstätigkeit. Nicht allein die gute militärtechnische Ausstattung der Schulen (u.a. Simulatoren), auch die über das rein militärische hinausgehende Wissensvermittlung und der Erfahrungsaustausch und das „Networking“ mit anderen hochmotivierten (und auch zivilberuflich erfolgreichen) Reserveoffizieren machte die Lehrgänge zu wichtigen Bausteinen meiner Entwicklung. Eine andere, sehr eindrückliche Erfahrung war die vierwöchige Teilnahme am “Combat Manoeuvre Training Center” (CMTC) der US-Army auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Der permanente Gefechtsdienst, der dort erstmalig mit GPS und mit Duellsimulatoren für Kampfpanzer durchgeführt wurde, vermittelte

Nach Verwendungen als Zugführer und Kompaniechef (Disziplinarvorgesetzter von ca. 60 Soldaten und verantwortlich für 13 Kampfpanzer Leopard 2) bin ich mittlerweile zum Oberstleutnant d. Res. befördert worden und übte einige Jahre als S3-Stabsoffizier und Vertreter des Bataillonskommandeurs. Als solcher war ich der Leiter des Bataillonsstabes, eine Aufgabe, in der ich meine zivilberufliche Management-Erfahrung sehr nutzbringend einsetzen konnte. Anfang 2010 erfolgte der Wechsel auf den „gespiegelten“ Kommandeurs-Dienstposten, auch für Reserveoffiziere die Traumverwendung schlechthin. Die irgendwann unvermeidliche Entbindung von dieser Aufgabe erfolgte stilgerecht auf dem Truppenübungsplatz im Rahmen eines Appells des angetretenen Bataillons inklusive aller Reservisten, was ich als sehr schöne Geste empfand. Seit 2014 bin ich nun Mitglied des I. GE/NL Corps, eines der “High Readiness Force HQs” der NATO. Dort übe ich als S6-Stabsoffizier im Bereich Communication and Information Systems (CIS).

Bereits im Jahr 2007 wurde ich zum Lehrgang “Bataillonskommandeur” an der Offizierschule des Heeres (Dresden) und der Panzertruppenschule (Munster) eingeladen (jeweils gemeinsam mit aktiven Generalstabsoffizieren und Reserveoffizieren, die für Kommandeursverwendungen vorgesehen sind). Bei diesen Lehrgängen ergaben sich Gelegenheiten zum Gedanktenaustausch mit dem Inspekteur des Heeres, dem stv. Befehlshaber EinsFüKdo und weiteren hochrangigen Generalen.

Eine besondere Auszeichnung bedeutete ferner die vierwöchige Teilnahme am Deutsch-Amerikanischen Reserveoffizieraustausch im Sommer 2005. Neben einer Teilnahme am Ausbildungsprogramm der Army National Guard standen u.a. Gespräche mit der amerikanischen Generalität, ein Besuch des Pentagons in Washington D.C. und des Bürgerkriegsschlachtfeldes von Gettysburg auf dem Programm. Spannend war aber auch der direkte Kontakt zu Solddaten aller Dienstgrade und zu Bürgern auf der Straße. Lange Diskussionen in kleiner Runde oder auch nur kurze Wortwechsel im Vorübergehen brachten einen viel authentischeren Eindruck von der Gedankenwelt des Durchschnittsamerikaners als dies gedruckte oder elektronische Medien vermögen.